Die Weihnachtsfeiertage stehen vor der Tür. Damit ist das Tradingjahr 2021 so gut wie vorüber. Zwischen den Feiertagen gibt es zwar nochmal einige Handelstage, im Normalfall – sollte nicht etwas Unvorhergesehenes für Action am Markt sorgen – sind diese Tage aber eher zu vernachlässigen. Insofern wollen wir das Jahr 2021 mit diesem Newsletter ausklingen lassen und die Gelegenheit nutzen einmal zurückzuschauen. Gleichzeitig wollen wir nach vorne blicken und den vielleicht bedeutendsten Fakt für 2022 ansprechen: die Geldpolitik.

Grundsätzlich war 2021 ein gutes Börsenjahr. Die Mega-Erholung nach dem Crash des vergangenen Jahres hat wahrscheinlich fast jeden Händler überrascht. Nicht etwa, weil sich der Markt erholt hat. Vielmehr die Art und Weise der Erholung war überraschend stark. Letzten Endes muss man festhalten, haben die Zentralbanken und Staaten mit einer nie dagewesenen Geldschwemme die Märkte vor weiteren Kursverlusten bewahrt und gleichzeitig die Erholung eingeleitet. Fast zwei Jahre später beginnen die Zentralbanken nun langsam die unfassbaren Geldsegen wieder einzudämmen. Allein das verspricht Spannung für 2022, wenn Zinserhöhungen der FED wieder in greifbare Nähe geraten.

Wenn wie die Jahresperformance der wichtigsten Aktienindizes unter die Lupe nehmen, dann gibt es an 2021 nicht viel zu Meckern. Besonders stark waren die großen US-Aktienindizes mit einer Ausnahme. S&P500 +26 Prozent, DowJones +20 Prozent, globaler Spitzenreiter ist der Nasdaq100 mit +30 Prozent. Demgegenüber steht der Russel2000, jener US-Index, der die kleinen und mittelgroßen Unternehmen beinhaltet. Das Hoch liegt zwar bei +24 Prozent, jedoch notiert der Russel aktuell deutlich tiefer und bringt aktuell nur rund +13 Prozent Jahresgewinn zustande. Etwas weniger gut lief es für den Europäischen Markt. Der EuroStoxx50 liegt aktuell bei +18 Prozent und der Dax40 bei „nur“ +14 Prozent. Schauen wir uns auch kurz den Rohstoffsektor an. Gold notiert auf Jahresbasis sogar vier Prozent im Minus. Öl stellt das glatte Gegenteil dar. Das Jahreshoch liegt rund 76 Prozent im Plus, aktuell notiert Öl „nur noch“ bei rund 48 Prozent im Plus.

Insgesamt war es also ein durchaus gutes Börsenjahr, in dem sich allerdings mehr als je zu vor gezeigt hat, wie stark die Börsenbewertungen sich von der Realwirtschaft abkoppeln können. Im Grunde war das gesamte Jahr geprägt von der pandemischen Entwicklung. Das hat sich besonders deutlich im November gezeigt, als die Entdeckung der Omikron-Variante und daraus resultierende Reisebeschränkungen die Aktienmärkte haben ordentlich absacken lassen. Mit solchen Corona-basierten Korrekturen müssen wir auch im Jahr 2022 weiter leben. Omikron wird sicher nicht die letzte Mutation sein.

Besonders spannend wird die Frage sein, welche Auswirkungen die geldpolitische Kehrtwende auf die Märkte haben wird. Zu schnelle und zu starke Zinsanhebungen schmecken einem Bullenmarkt wie diesem, der im Grunde nur aus billigem Geld besteht, überhaupt nicht. Wenn einem Flugzeug während des Fluges plötzlich das Kerosin ausgeht, ist ein Sinkflug und ein äußerst unsanfter Aufprall kaum zu vermeiden. So ähnlich funktioniert der Bullenmarkt seit 2020. Die Zentralbanken und Staaten lieferten mit niedrigen Zinsen, Anleihekäufen und billionenschweren Konjunkturprogrammen genug Kerosin, um den Markt katapultartig in die Stratosphäre zu befördern. Doch wird der Treibstoff zu stark entzogen, reicht der Auftrieb irgendwann nicht mehr aus, um die Schwerkraft zu überwinden – es kommt zum Absturz.

Ob ein solches Szenario im Jahr 2022 auf uns zukommt – wir wissen es nicht. Letzten Endes wissen die Zentralbanken selbst gut genug, was auf dem Spiel steht. Sie werden gut daran tun, es nicht zu übertreiben. Allerdings sitzt ihnen die galoppierende Inflation im Nacken. Trödeln ist somit auch nicht mehr möglich. Das alles macht die kommenden geldpolitischen Entscheidungen zu einem Ritt auf der Rasierklinge. Gut für uns, denn das verspricht erhöhte Volatilität – und diese brauchen wir, um Geld am Markt zu verdienen.

 

Wir wünschen schöne Weihnachtsfeiertage und einen guten, gesunden Übergang ins Jahr 2022.

 

Veröffentlicht am 23.12.2021