Hallo Trader,

der heutige Blogbeitrag beschäftigt sich mit einem wahren Trading-Mysterium: dem Risiko- und Moneymanagement, kurz RMM.

Vorweg: RMM hat sehr viele Ausprägungen und kann in schier unendlich viele Facetten unterteilt werden, die im Detail den Rahmen eines kurzen und informativen Blogs sprengen würden. Daher zeige ich ganz allgemein auf, was unter RMM zu verstehen ist und warum dies einer der absolut wichtigsten und gleichzeitig am meisten unterschätzten Teilbereiche des Tradings.

Ich möchte es mal so formulieren: Ein Trader ist ein Stück weit wie ein Zehnkämpfer der Leichtathletik. Er muss viele verschiedene Disziplinen bestmöglich beherrschen und jede noch so kleine Schwäche wird bitter bestraft. Nur, wer das beste Komplettpaket besitzt, hat eine Chance auf den ganz großen Erfolg. Im Trading ist das sehr ähnlich. Einen professionellen Händler zeichnet weit mehr aus, als das bloße Verständnis von Kerzencharts und Zeiteinheiten. Ein Profi-Trader hat volkswirtschaftliches Know-how und versteht die makroökonomischen Zusammenhänge der Weltwirtschaft. Er kann Unternehmens- und Wirtschaftsnachrichten richtig lesen und daraus gewinnbringend Rückschlüsse ziehen. Aber er ist auch ein hervorragender Charttechniker, der mittels Kerzenchart die Gedanken der anderen Marktteilnehmer lesen kann – oder anders ausgedrückt, sich in deren Lage hineinversetzen kann. Außerdem besitzt er ein striktes RMM – aus meiner Sicht die viel zu oft völlig unterschätzte Königsdisziplin innerhalb des Tradings.

Doch warum ist RMM so wichtig? Hinter RMM versteckt sich, und auch das wird häufig übersehen, der Gedanke unternehmerischen Denkens und Handelns. Was macht einen Unternehmer erfolgreich? Chancen erkennen, Risiken richtig abwägen und nur dann zuschlagen, wenn die Wahrscheinlichkeit eines Gewinns viel höher ist, als die des Verlustes. Und wenn ein Unternehmer eine sehr lukrative, aber gleichzeitig riskante Möglichkeit entdeckt hat, verringert er seinen möglichen Verlust durch einen geringeren Einsatz. Doch was besonders wichtig ist: Er versteht es, „nein“ zu sagen. Nämlich dann, wenn er die Wahrscheinlichkeit eines Gewinns nicht deutlich auf seiner Seite hat.

Auf den Börsenhandel übertragen bedeutet das, dass wir nach vordefinierten Setups suchen. Solche Setups sind für uns der Gratmesser für die Gewinnwahrscheinlichkeit. Es gibt konservative, aber auch spekulative Setups. Haben wir kein Setup, dann handeln wir auch nicht – weil ohne Setup unsere Gewinnwahrscheinlichkeit nicht groß genug ist, um einen Verlust zu riskieren. Außerdem bedeutet RMM das Festlegen eines bestimmten riskierten Betrages pro Trade. Beispiel: Ein Trader besitzt ein € 20.000,00 Handelskonto. Gesundes RMM bedeutet nun, pro Trade zwischen 0,25 Prozent und maximal 1,0 Prozent des Depots zu riskieren, also zwischen € 50,00 und € 200,00.

Wir wählen wir für das konkrete Beispiel ein Risiko von 0,5 Prozent, sprich € 100,00. Diese € 100,00 sind der Betrag, den wir maximal bereit sind zu verlieren, sollte der Trade nach dem Einstieg sofort gegen den gesetzten Stoploss laufen. Der Abstand zwischen Einstiegspreis und Stoppreis bestimmt also, wie viele Aktien gekauft oder verkauft werden können (siehe Bild).

Risikomanagement
Risikomanagement

Entscheidend bei der Wahl des Risikos pro Trade ist, dass der einzelne Trade vor dem Hintergrund der Kontogröße unbedeutend klein ist und das Konto im Verlustfall nicht gefährdet. Das nennt man Einzelpositionsrisiko, also immer nur den einzelnen Trade betrachtend. Daneben gibt es das sogenannte Gesamtpositionsrisiko, welches das gesamte Risiko aller offenen Positionen berücksichtigt. Man sollte nicht mehr als 2-3 Prozent Gesamtpositionsrisiko fahren. Immer wieder sieht man, dass genau dies falsch gemacht wird und dass Trader gleichzeitig 10, 20 oder gar 50 Prozent ihres gesamten Depots in Form von offenen Trades riskieren. Unerwartete Marktbewegungen oder Nachrichten sorgen hierbei schnell zu mehreren gleichzeitig ausgestoppten Trades und sind – aufgrund Nichtbeachtung eines strikten RMMs – der Grund dafür, dass Handelskonten sich in kürzester Zeit halbieren oder gar komplett verbrennen.

Am Ende sollte sich jeder Trader darüber im Klaren sein, dass das Ziel beim Trading anders lauten sollte, als es sich besonders in den Köpfen der Neulinge oft manifestiert: Statt mit wenigen Trades Monstergewinne zu erzielen, sollte das Augenmerk auf vielen Trades mit kleineren, soliden Gewinnen liegen. Am Ende sollte der einzelne Trade unbedeutend und unwichtig sein. Die Performance entsteht automatisch durch eine Vielzahl von kleineren Gewinnen bei gleichzeitig strikter Begrenzung von Verlusten durch einen sinnvollen Stoploss und durch konsequente Beachtung des eigenen RMM.

ATT-Sginals Performancekurve

Zum Beispiel mit Blick auf die Performancekurve des ATT-Signaldienstes – siehe Bild – wird deutlich, wie das Ganze gemeint ist. Auf der linken Seite sieht man den Performance-Graphen, auf dem jeder Gewinn und jeder Verlust abgetragen wird. Auf der rechten Seite wird die Bedeutung von RMM deutlich. Unterhalb der Nulllinie sind die Minustrades ersichtlich. Das Minus wird dabei stehts auf unter 1 Prozent, meistens deutlich weniger, begrenzt. Die Plustrades hingegen reichen von unter 1 Prozent, bis hin zu über 4 Prozent. Und obwohl etwa 50 Prozent der Trades Verlust- und 50 Prozent der Trades Gewinntrades waren, steht die Performance (links) dennoch bei etwa 35 Prozent im Plus. Ohne sinnvolles und konsequent eingehaltenes RMM wäre solch eine solide Performance nicht möglich. Genau so gehört es dazu, in schwierigen Marktphasen nicht auf Biegen und Brechen Trades zu machen, sondern „nein“ zu sagen, wenn das Umfeld einfach keine guten Trades zulässt.

 

Viel Erfolg an den Märkten wünscht

Dominik Müller
Ausbilder / Analyst
– ATT Trading –

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