Nun schon vier Wochen lang befindet sich der S&P500, der weltweit wichtigste Aktienindex, in der Korrekturphase. Das ständige Erklimmen neuer Rekordhochs ist – gemessen an Verhältnissen nach dem Covid-Crash – nun schon überdurchschnittlich lange unterbrochen. Seit dem letzten Hoch hat der S&P500 bereits rund 6 Prozent verloren, der Nasdaq sogar fast 7,5 Prozent. Einer der Hauptauslöser war und ist noch immer Chinas Immobiliensektor und der drohende Evergrande-Kollaps. Doch auch darüber hinaus wird die Luft stetig dünner für die Aktienmärkte, die insbesondere von der Zentralbankliquidität von Rekord zu Rekord gepeitscht wurden.

Schon bald könnte damit Schluss sein, denn die wichtigste Notenbank der Welt, die amerikanische Federal Reserve (FED) hat den Fuß für ein baldiges Bremsmanöver bereits über dem Bremspedal. Dass die Anleihenkäufe von insgesamt 120 Milliarden US-Dollar bald reduziert werden, daran besteht nach dem letzten FED-Meeting kein Zweifel mehr. Schon im November könnten die nötigen Beschlusse innerhalb der Notenbank gefasst und veröffentlicht werden. Somit würde dem Aktienmarkt sein wichtigster Treibstoff, das billige Zentralbankgeld, langsam entzogen. Die Auswirkungen? Schwer zu sagen, denn eine solche Situation gab es noch nie in der Geschichte, in der das Zentralbankgeld in Verbindung mit Nullzinsen solch eine bedeutende Rolle gespielt hat. Von einer mindestens etwas ausgedehnteren Korrektur ist allerdings auszugehen. Möglich ist sogar, dass der Entzug der Liquidität wieder zu einer gänzlichen Neubewertung am Aktienmarkt führt, wenn wieder die Unternehmensgewinne anstelle der Notenbankliquidität als Maßstab für die Bewertungen am Aktienmarkt herangezogen werden. Die Bewertungen aktuell, gemessen an dem, was realwirtschaftlich dahintersteckt, sind jenseits von Gut und Böse. Entsprechend vorsichtig agiert die FED, denn sie weiß um den Drahtseilakt, der ihr bevorsteht.  

Die neue Woche wird vor allem aufgrund der anstehenden Nonfarm Payrolls aus Amerika interessant. Sie sind das letzte Puzzleteil, das noch zum finalen Tapering-Beschluss der FED fehlt, wie Powell in seiner letzten Pressekonferenz gesagt hat. Insofern wird der Freitag äußerst wichtig und vielleicht weitreichend. Darüber hinaus zu beachten sind: Zinsentscheid in Australien, ISM Einkaufsmanagerindex Dienstleistungen USA, Zinsentscheid in Neuseeland sowie das EZB Sitzungsprotokoll.

 

Veröffentlicht am 04.10.2021