Wir alle haben uns gewünscht, dass ein möglicher dritter Lockdown niemals Thema wird, weder in der Politik, noch in diesem Marktkommentar. Groß war die Hoffnung, dass die fast einjährige Durststrecke mit Reisebeschränkungen, geschlossener Gastronomie und vielen weiteren Beschneidungen unseres früher gekannten Lebens in Richtung Ostern langsam enden würde. Doch heute, quasi Ende März 2021 muss man leider feststellen: Daraus wird höchstwahrscheinlich nichts. Der Fortschritt bei den Impfungen kommt nur schleppend voran und in der Bundesregierung, die vor wenigen Wochen noch eifrig über Lockerungen diskutiert hat, geht es aktuell nur noch um die Corona-Notbremse und ziemlich sicher die Verlängerung des Lockdowns bis – vorerst – Ende April.

Spannen wir den Bogen zu den Märkten. Hier scheint diese Entwicklung, die jedem einzelnen nur wenig gefallen kann, bislang nicht groß zu interessieren. Überstrahlt wird derzeit alles von der Geldschwemme aus Amerika und der sich dort scheinbar gut erholenden Wirtschaft. Auch wenn der Arbeitsmarkt noch etwas zu kämpfen hat, sind die prognostizierten Wachstumsraten der FED mit 6,5 Prozent erstaunlich. Der Flugbetrieb nimmt wieder zu und auch viele andere Wirtschaftsbereiche erwachen langsam aber sicher wieder aus der Corona-Starre. Apropos FED: 6,5 Prozent prognostiziertes Wachstum für 2021 sind beeindruckent, umso interessanter ist die Prognose der FED, dass die Inflation in den nächsten Jahren „nur“ um rund 2 Prozent liegen wird. Die FED-Sitzung am vergangenen Mittwoch hat außerdem ergeben, dass die Anleihekäufe unverändert bleiben. Es wird vorerst nicht auf die stiegenden Anleihezinsen reagiert, weil ohnehin davon ausgeht, dass die Inflation in einem unproblematischen Rahmen bleiben wird. So ganz glauben mag man das nicht, wenn man sich das wirtschaftliche Umfeld anschaut. 6,5 Prozent Wachstum, Rohstoff- und Getreidepreise, die seit Monaten durch die Decke schießen, eine voraussichtlich gigantsche Nachfragewelle der Konsumenten, die im letzten Jahr ihr Geld zwangsweise gespart haben. All das muss zwangsläufig zu steigenden Preisen führen, zumal heute schon gewisse Branchen ihre Produktionsgrenzen erreicht haben. Teilweise müssen Produktionen stillgelegt werden, wie Zuliefererteile fehlen. Die Nachfrage übersteigt schon jetzt das Angebot. Es sieht alles danach aus, als versuche die FED vorerst mal, das Inflationsgespenst verbal zu verjagen. Ob da gelingt? Man darf seine berechtigten Zweifel haben.

Nachrichtentechnisch steht eher eine ruhige Woche bevor. Nichtdestotrotz stehen am Mittwoch und Donnerstag Notenbanktermine in Japan und der Schweiz an. Außerdem spricht FED-Chef Powell am Donnerstag vor dem US-Kongress.

 

Veröffentlicht am 22.03.2021