Das EZB-Meeting vom vergangenen Donnerstag war ein wichtiger und mit Spannung erwarteter Termin, der allerdings schon nach kurzer Zeit seinen Zauber verloren hat. Denn erwartungsgemäß hat die EZB ihre derzeit vorherrschende Geldpolitik nicht angerührt. Der Leitzins bleibt weiter bei null und das Anleihekaufvolumen bleibt konstant. EZB-Chefin Lagarde sagte in der anschließenden Pressekonferenz, es sei noch zu früh, um über ein Zurückfahren der gegenwärtigen Maßnahmen nachzudenken. Weiter sagte sie, man habe den längerfristigen, geldpolitischen Plan im Kollegium gar nicht weiter diskutiert, sondern man werde die wirtschaftlichen Entwicklungen weiterhin beobachten. Dass die aufkommende Inflation den Notenbankern nach nur ein vorübergehendes Phänomen sei, wurde schon im Vorfeld des EZB-Meetings kommuniziert. Man rechnet damit, dass sich die Situation im kommenden Jahr normalisiert.

Wenn man ehrlich ist, muss man sich fragen, ob die EZB überhaupt jemals wieder aus ihrem Nullzinsmodus entkommt. Wer nach der Finanzkrise 2008/2009 bis zur Corona-Pandemie keine Zinsanhebung zustande gebracht hat, wird es nach der wirtschaftlich verheerenden Pandemie wohl so schnell auch nicht. Die Eurozone lag finanziell schon vor der Pandemie in Schutt und Asche. Zu viele Mitgliedsstaaten hätten Zinsanhebungen nicht verkraftet. Vor Corona nicht – und nach Corona schon gar nicht. Da wundert es nur wenig, dass die EZB versucht, das Inflationsthema herunterzuspielen, um nicht unter Zugzwang zu geraten. Wahrscheinlich sehen wir vor der ersten Zinsanhebung der EZB die nächste Krise – und somit weiterhin die Rechtfertigung für den Nullzinsmodus.

So viel zur EZB. Was die FED anbelangt, werden wir am Mittwochabend sehen. Auch hier wird erwartet, dass die Inflationsthematik kleingeredet wird. Doch die USA bringen ganz andere wirtschaftliche Voraussetzungen mit, sodass Zinsanhebungen hier nur eine Frage der Zeit sind. Die Inflationszahlen vom vergangenen Donnerstag waren abermals höher als erwartet – das entspannt die Situation nicht gerade. Die FED wird auf einige Fragen Antworten liefern müssen.

 

Veröffentlicht am 14.06.2021