Im letzten Newsletter wurde die Wichtigkeit der vergangenen „Super-Week“ bereits hinreichend beschrieben. Insofern wollen wir die Ergebnisse der Notenbanksitzungen kurz zusammenfassen.

Die FED hat klar gemacht, dass sie in Zukunft nicht mehr von einem vorübergehenden Inflationsanstieg sprechen wird. Dazu ist das Inflationsniveau inzwischen zu stark und zu nachhaltig angestiegen. Auch in 2022 wird überwiegend mit einer Inflationsrate oberhalb der 2-Prozent-Zielmarke gerechnet. Was die konkreten geldpolitischen Maßnahmen anbelangt bewegt sich die FED absolut im Rahmen der Markterwartungen. Die Tapering-Geschwindigkeit wurde von monatlich 15 Milliarden auf monatlich 30 Milliarden US-Dollar angehoben. Somit wird die FED in wenigen Monaten die Anleihenkäufe in Höhe von ursprünglich 120 Milliarden Dollar monatlich vollständig zurückgefahren haben. Zum Thema Zinsanhebung: In 2022 wird derzeit von drei Zinsanhebungen ausgegangen, abhängig aber natürlich von der wirtschaftlichen Entwicklung. Somit hat die Realität die FED eingeholt, denn bis vor kurzem wurden Zinsanhebungen in 2022 und auch weiten Teilen von 2023 noch kategorisch ausgeschlossen. Fakt ist also, die FED wird auf die Inflationsentwicklung reagieren müssen. Ein Problem für die FED könnte dabei die derzeit historisch flache Zinskurve sein. Werden die Zinsen am kurzen Ende angehoben, besteht schneller als sonst üblich die Gefahr einer Invertierung, also einer Umkehr. Das bedeutet, die kurzfristigen Zinsen wären höher, als die langfristigen Zinsen. Diese Konstellation ist mit Blick auf die Vergangenheit schon oft ein Vorbote für signifikante wirtschaftliche Turbulenzen gewesen.

Seitens der EZB gibt es nur wenige Neuigkeiten. Das Corona-Notfallprogramm PEPP wird wohl bald auslaufen. Bis die EZB jedoch ihre Anleihenkäufe vollständig zurückgefahren hat, wird es noch eine Weile dauern. EZB-Präsidentin Lagarde sagte, an Zinsanhebungen sei erst dann zu denken, wenn die Anleihenkäufe vollständig gestoppt sind. Lange Rede, kurzer Sinn: In den nächsten Jahren ist nicht ernsthaft von Zinsanhebungen im Euro-Raum auszugehen. Tapering ist in geringem Maße denkbar, aber wesentlich langsamer als in den USA. Alles Weitere scheint jedoch noch in weiter Ferne zu liegen.

Der Markt hat mit den Nachrichten nicht besonders viel angestellt. Zwar haben die Aktienindizes seit dem FED-Meeting etwas an Volatilität hinzugewonnen, besondere Bewegungen gab es jedoch nicht. Vielmehr gab es intraday einige schnelle Bewegungen, die an den darauffolgenden Tagen entsprechend korrigiert wurden. Der DowJones ist derzeit am stärksten, getrieben von den Bankwerten, die auf die zu erwartenden Zinsanhebungen positiv reagiert haben.

 

Veröffentlicht am 17.12.2021