Es war der bislang mit Abstand wichtigste Nachrichtentermin des Jahres: Das Zinsmeeting der US-Notenbank FED am vergangenen Mittwochabend. Seit die Inflation in den USA wieder spürbar anspringt, wird dieses Thema in nahezu allen Finanzmagazinen heißt diskutiert. Die entscheidende Frage dabei lautet: Ist die aufkommende Inflation nur ein vorübergehender Effekt durch die Corona-Erholung, oder ist nachhaliger Natur, ohne von selbst wieder zu verschwinden?

Die FED beantwortet diese Frage mehr als deutlich. Es handle sich lediglich um vorübergehende Effekte. Powell sagte zudem, die Langzeitprognose der FED liege nur moderat über dem Zielbereich von zwei Prozent. Er rechnet nicht damit, dass die Notenbank außergewöhnliche Maßnahmen ergreifen müsse, um die langfristige Inflation im Zielbereich zu fixieren. Damit schickte er den US-Bankensektor auf eine mehrtätige Talfahrt, denn große Not, schon bald die Zinsen anzuheben, hat Powell damit nicht signalisiert. Auch wenn die FED ihre eigene Inflationsprognose um einen ganzen Prozentpunkt nach oben korrigiert hat, hat Powell versucht, beruhigend zu wirken. Zwar rechnet die Mehrzahl der FED-Mitglieder bereits in 2023 statt bisher 2024 mit ersten Zinsanhebungen, doch bis dahin vergehen mindestens anderthalb Jahre, in denen alles weiterläuft, wie bisher. Das zeigt sich auch an den Märkten, Der Nasdaq hat wieder das Kommando übernommen und am Freitag ein neues Allzeithoch markiert, während der Dow Jones unter der Last des Banken- und Finanzbereichs in der vergangenen Woche rund 1.300 Punkte verlor und die Woche damit etwa fünf Prozent unterhalb seinem letzten Allzeithoch beendete.

Beim Thema „Tapering“ – also das Reduzieren der Anleihekäufe gibt es keine wesentlichen Neuigkeiten. Powell hat betont, die Wirtschaft benötige weitere substanzielle Fortschritte, bevor man damit anfange. Das Tapering sei auf jeden Fall der erste Schritt. Zinsanhebungen seien erst danach geplant. Die meisten US-Fondsmanager rechnen derzeit damit, dass Powell im Rahmen des Jackson Hole Symposiums Ende August erste konkrete Hinweise hierzu liefern werde. Somit steht uns ein spannender und wohl auch volatiler Herbst bevor, der von den Notenbankentscheidungen dominiert werden dürfte.

 

Veröffentlicht am 21.06.2021