Was waren das für Szenen in der vergangenen Woche, als Trump-Fanatiker zu hunderten das US-Kapitol in Washington stürmten, während der Senat die Wahlmännerstimmen auszählte und das Ende von Trumps Präsidentschaft besiegelte. Ein unfassbares Attentat auf die älteste Demokratie der Welt, angezettelt von einem Präsidenten, der von der verlorenen Wahl scheinbar in den Wahnsinn getrieben wird. Konsequenterweise versuchen die Demokraten während der letzten Trump-Tage alles, um noch eine Last-Minute-Amtsenthebung hinzubekommen. Der entscheidende Punkt dabei ist, dass eine Amtsenthebung Trump daran hindern würde, in vier Jahren erneut als Präsidentschaftskandidat antreten zu können. Da sich immer mehr Republikaner klar von Trump abwenden, stehen die Chancen nicht so schlecht, doch die Zeit wird knapp. Fünf Menschenleben hat Trump auf dem Gewissen, der seine Anhänger angestachelt hatte, zum Kapitol zu marschieren und dort gegen die „gestohlene Wahl“ zu protestieren. Es waren nicht nur die bis dato dunkelsten Stunden der Trump-Ära, sondern auch dunkle Stunden für die amerikanische Demokratie, an die man sich auch noch in Jahrzehnten erinnern wird. Wenn man sich in vielen Jahren an Trump als Präsidenten erinnert, dann zweifelsohne auch an die Menschenmassen vor und im Kapitol und die fünf Todesopfer.

Die Märkte haben sich an diesen erschreckenden Ereignissen nur wenig gestört. Vielmehr war die Bestätigung Bidens als rechtmäßiger Trump-Nachfolger Grund zum Feiern an der Wallstreet. Billionenschwere Konjunkturpakete stehen in Aussicht, um die von Corona stark geschundene US-Wirtschaft wieder auf die Beine zu bringen. Die Auswirkungen auf die Märkte sind beim Blick auf zum Beispiel den Baumaschinenhersteller Caterpillar gut sichtbar. Seit der US-Wahl Anfang November hat Caterpillar rund 25 Prozent an Wert hinzugewinnen können und steht bereits über 30 Prozent höher, als vor dem Corona-Crash Anfang 2020 – obwohl die Realwirtschaft dies in keiner Weise rechtfertigt. Das billige Geld, das in den letzten Marktkommentaren bereits thematisiert wurde, macht’s möglich.

Für die neue Woche stehen die üblichen Wirtschaftsdaten auf dem Plan. Besonderheiten gibt es nur vereinzelt, wie beispielsweise den FED-Chef Powell, der am Donnerstagabend spricht.

 

Veröffentlicht am 11.01.2021