+++Schier grenzenlose Euphorie lässt Märkte weiter steigen +++

Nun, wenn wir ehrlich sind, hat sich seit dem Marktkommentar der vergangenen Woche nicht viel an den Märkten verändert. Alles ist wie immer, könnte man meinen. Und selbstverständlich gab es neue Höchststände an der Wall Street, während der Volatilitätsindex den niedrigsten Stand seit über einem Jahr erreicht hat. Ist wirklich alles so positiv? Scheint so, denn wie heißt es so schön: Am Ende hat der Markt immer Recht.

Doch sind die Entwicklungen an den Märkten überhaupt noch realwirtschaftlich erklärbar? Nach einer Dekade Boom in Amerika leidet die Wirtschaft unter dem Handelskrieg und die Schulden explodieren. Alles keine überragenden Vorzeichen. Von Europas an der Rezession kratzenden Konjunktur ganz zu schweigen. Doch warum wollen die Märkte nur nach oben? Überlege man sich einmal, wo die Märkte heute stehen müssten, hätte es den angezettelten Handelskrieg mit Amerika nie gegeben. Hätte der Dow Jones dann schon die 30.000er Markt geknackt? Wissen wir natürlich nicht, aber dass trotz der vorherrschenden Rahmenbedingungen die Märkte von einem Rekordhoch zum nächsten springen und auch die Warnsignale aus Amerikas Industriesektor ignoriert werden, kann mit konjunkturellen Erwartungen kaum mehr erklärt werden.

Die eigentlichen Big Player an den Märkten rückten zuletzt etwas in den Hintergrund. Wer ist gemeint? Natürlich, die Notenbanken. Seit Draghi im Zuge der Finanzkrise 2008/2009 gesagt hat, man werde den Euro um jeden Preis retten, hat sich der Blick auf die Notenbanken als Marktteilnehmer drastisch verändert. Inzwischen ist der Glaube daran extrem hoch, dass die Notenbanken, allen voran FED und EZB, stets als Retter in der Not einschreiten und die Märkte vor größeren Crashs bewahren werden. Ein Irrglaube? Mittelfristig wie uns die Erfahrung der letzten zehn Jahre zeigt nicht. Doch am vermeintlichen Ende des Aufschwungs, an dem wir uns nun befinden, wird die Situation wieder spannend. Die EZB feuert bereits aus allen Rohren und kann kaum mehr zur Stimulation der Wirtschaft tun, als sie es ohnehin schon tut. Was also, wenn das Vertrauen in die allmächtigen Retter mal schwindet? Denkbar, dass sich das nachlassende Vertrauen in einem gewaltigen Crash entlädt. Das kann passieren, muss aber nicht. Und wenn, dann ist die Frage wann.  Das alles können wir nicht wissen. Das einzige, das wir wissen ist: Es kann unmöglich ewig nach oben gehen. Eines Tages kommt auch in Amerika die nächste ausgedehnte Korrektur, und zwar sowohl konjunkturell als auch an der Börse. Trumps Schulden, die wahnwitzige Dimensionen erreicht haben, müssen irgendwann einmal abgebaut werden – oder zumindest die Neuverschuldung muss eingedämmt werden. Hierfür obligatorisch sind Steuererhöhungen, die eines Tages kommen müssen und womöglich wie so oft in der Vergangenheit durch einen demokratischen Präsidenten umgesetzt werden. Das dürften die Märkte dann zu spüren bekommen.

 

Veröffentlicht am 01.12.2019