Es gibt Dinge, die gibt es eigentlich gar nicht. Vergangene Woche haben wir wieder gesehen, wie sehr die Zentralbankpolitik inzwischen logische, wirtschaftliche Zusammenhänge verzerrt oder gar verfälscht. Am Freitagmittag vor US-Handelsbeginn wurden die Non-farm-payrolls veröffentlicht, im Grunde der wichtigste US-Arbeitsmarktbericht. Erwartet wurden im Vorfeld etwa 1 Mio. neue Jobs. Die bittere Wahrheit waren nur enttäuschende 266.000 neue Stellen und wieder zu erwarten eine steigende Arbeitslosenquote. Man mag sich gar nicht ausmalen, wie viele wenig informierte Trader hier auf dem falschen Fuß erwischt worden sind.

Der Dreh- und Angelpunkt derzeit ist und bleibt das Thema Zinspolitik. Wann beginnt die FED mit der Reduzierung ihrer Anleihekäufe und wann könnten die Leitzinsen ansteigen? Diese beiden Kernelemente und die hierzu an den Märkten eingepreiste Erwartungshaltung lässt den Markt mittelfristig steigen oder fallen. Und somit ist es auch zu erklären, dass der DowJones zwar bei Bekanntgabe der Nachricht erst schockartig rund 250 Punkte verlor, am Ende des Tages aber mit einem satten Plus aus dem Handel ging.

Man muss sich dieses Paradoxon mal konkret vor Augen führen. Der Vergleich mit einem Suchtmittelabhängigen war nie treffender als zu dieser Zeit, denn der Aktienmarkt ist in gewisserweise abhängig vom billigen Zentralbankgeld. Nun zu letzter Woche: Der Arbeitsmarkt enttäuscht. Doch das wichtigste ist, dass damit erwartete bzw. befürchtete Zinsanhebungen oder die Reduzierung der Geldschwemme erstmal in etwas weitere Ferne rückt. Hatte man für die Juni-Sitzung der FED befürchtet, es könne in Richtung Reduzierung der Anleihekäufe gehen, kann die FED nun die jüngsten Arbeitsmarktdaten vorzeigen und sich zurücklehnen, denn die vollständige Genesung des Arbeitsmarktes war für die FED eine der notwendigen Voraussetzungen für geldpolitischen Veränderungen. Der Markt kann also länger auf billiges Geld hoffen, somit: Vollgas in den Märkten, neue Allzeithochs inklusive. Aber wehe, eines Tages ist es so weit, und die FED tritt auf die Bremse. Das kann am Markt böse enden, denn die „Entzugserscheinungen“ werden voraussichtlich schmerzhaft sein und ihre Spuren in den Charts hinterlassen. 

Abgesehen vom EZB-Protokoll, das am Freitag veröffentlicht wird, sind in dieser Woche nur die üblichen, turnusmäßigen Nachrichtentermine zu finden.

 

Veröffentlicht am 10.05.2021