Die US-Arbeitsmarktzahlen von Freitag waren ein deutliches Ausrufezeichen für die Tapering-Diskussionen der US-Notenbank FED. Der FED-Vorsitzende hatte in der Pressekonferenz des letzten Zinsmeetings deutlich gesagt, man wolle starke Jobdaten sehen. Nun, die hatten wir jetzt. Außerdem schnellt die Inflation im Rekordtempo nach oben. Sonderfaktoren hin oder her, es gibt genug Indikatoren, die auf einen weiteren, stärkeren Anstieg der Inflation hindeuten. Dementsprechend werden die US-Inflationszahlen von Mittwoch 14:30 Uhr äußerst wichtig werden. Eine Fortsetzung des starken Anstiegs zwingt die FED fast schon, in den nächsten Monaten tätig zu werden. In Erwartung dessen hat Gold zum Wochenauftakt massiv abgegeben. Der Flashcrash in der Nacht zu Montag kostete das Edelmetall in der Spitze über vier Prozent.

Jüngst lassen Äußerungen des Bundesbankchefs Jens Weidmann aufhorchen. Sollte sich die Inflation im Euroraum verstärken, dann müsse die EZB die Zinsen zwangsläufig anheben und könne keine Rücksicht mehr auf die Finanzierungskosten der besonders hoch verschuldeten Eurostaaten nehmen. Weidmann ist ohnehin als ein Notenbanker bekannt, der schon länger für straffere Geldpolitik und eine Abkehr vom Krisenmodus der EZB steht. Er sagte deutlich, dass es nicht Aufgabe der EZB sei, sich um die Solvenz der EU-Mitgliedstaaten zu kümmern. Grundsätzlich hat er vollkommen Recht. Doch Zinserhöhungen würden womöglich einen gewaltigen Dominoeffekt auslösen. Bereits wenige Jahre nach der Finanzkrise 2008 hat die EZB die Zinsen angehoben und damit eine Rezession im Euroraum verursacht. Seither hat sich die Lage, auch durch Corona, nicht verbessert. Es ist ein Dilemma unvorstellbaren Ausmaßes. Italien, das anders als Griechenland, ganz klar „too big to fail“ ist, würde unter Zinsanhebungen stark leiden. Eine Staatspleite könnte das Ende der EU bedeuten. Doch weiterhin galoppierende Inflation wäre ebenfalls kein schönes Szenario. So oder so – die EZB hat ein Problem. Irgendwann muss sie die Zinsen erhöhen, kann es aber nicht, ohne dass mit der Lösung des einen Problems mehrere neue geschaffen werden.

Der europäische und amerikanische Aktienmarkt ist von alle dem völlig unbeeindruckt weiterhin in der Nähe der Rekordhochs, auch wenn man langsam merkt, dass die Luft vorerst rauszu sein scheint. Hinzu kommen wieder ansteigende Anleiherenditen, die vor allem die Stimmung im Technologiesektor trüben. Doch in der Vergangenheit, dass muss man auch mal ganz klar festhalten, gab es immer wieder gute Gründe für eine Rallye-Pause. Und doch gab es kurz darauf neue Rekordhochs. Von daher warten wir es einfach ab. Fakt ist: In dieser Woche liegt der volle Fokus auf den US-Inflationszahlen.

 

Veröffentlicht am 09.08.2021