Arbitrageure

Was sind Arbitrageure?

Arbitrageure gehören zu den fünf Marktteilnehmern (Hedger, Spekulanten, Arbitrageure, Notenbanken und strategisch-fundamentale Investoren), deren Handelsentscheidungen für die Kursbewegungen an den Märkten mitverantwortlich sind. Arbitrageure profitieren von räumlichen oder zeitlichen Differenzen im Kurs eines Wertpapiers, welches an mehreren Börsen gehandelt wird. Zwischen den weltweiten Börsen können sich im Tagesgeschäft Kursdifferenzen bilden, wodurch ein Produkt an einer Börse geringfügig günstiger gehandelt werden kann, als bei einer anderen Börse. Diese Differenzen werden von Arbitrageuren ausgenutzt, um risikolose Gewinne einzufahren, wodurch sich der Kurs eines Wertpapiers auf allen Börsen wieder angleicht.

Man unterscheidet dabei in der Kapitalmarktleere die Arbitragemöglichkeit erster Ordnung und zweiter Ordnung.

1.) Arbitragemöglichkeit erster Ordnung (free lotteries)

Die Arbitragemöglichkeit erster Ordnung liegt dann vor, wenn man heute die Möglichkeit hat Gewinne in der Zukunft zu realisieren, ohne einen Kapitaleinsatz zu bringen. Dieser Fall ist zu vergleichen mit einer freien und kostenlosen Lotterie. Aus dem Grund wird dies auch „free lotterries“ genannt.

Beispiel:

Ein Beispiel wäre eine Investition in einer sichere Anleihe mit einem Nominalwert von 100,00 € und einen Kupon von 8 % mit Fälligkeit in genau einem Jahr. Der Refinanzierungszins liegt in diesem Beispiel bei 5 %. Ein Investor könnte nun die Anleihe kaufen indem er einen Kredit aufnimmt mit 5 % Zinsen pa. Er muss also kein eigenes Geld einsetzen. Einen Gewinn würde er immer dann in der Zukunft erwirtschaften, wenn die Anleihe günstiger als 102,86 € ist.

Mathematische Veranschaulichung:

– Rückzahlungssumme (R) = 108,00 €

(Nennwert 100,00 € + 8 % Zinsen mit Fälligkeit in einem Jahr = 108,00 €)

– Refinanzierungszins (Z) = 5 %

– Preis Anleihe (P)

P = R / (1 + Z)

(Es wird also der erwartete Zahlungsstrom der Anleihe mit dem Refinanzierungszins abgezinst. Somit erhält man den maximalen Preis, welchen die Anleihe kosten darf. Jeder Preis welcher niedriger ist, macht Arbitrage erster Ordnung möglich.)

Maximaler Preis für die Anleihe: P = 108,00 €/ (1 + 0,05) = 102,857143 €  ≈ 102,86 €

Arbitrage ist immer dann möglich, wenn der Marktpreis der Anleihe < P ist.

2.) Arbitragemöglichkeit zweiter Ordnung (free lanch today)

Die Arbitragemöglichkeit erster Ordnung liegt dann vor, wenn man heute die Möglichkeit hat Gewinne in der Zukunft zu realisieren, ohne einen Kapitaleinsatz zu bringen. Dieser Fall ist zu vergleichen mit einer freien und kostenlosen Lotterie. Aus dem Grund wird dies auch „free lotterries“ genannt.

Beispiel 1.)

Wenn beispielsweise eine Aktie an zwei Handelsplätzen zu unterschiedlichen Kursen gehandelt wird, kann man diese Situation ausnutzen, um risikolose Gewinne einzufahren. An den einen Handelsplatz kauft man die Aktie günstig ein und am anderen verkauft man sie teurer. Die Differenz streicht man dann als Gewinn ein. Wichtig ist, dass der Kauf und der Verkauf an einem Zeitpunkt stattfindet.

Mathematische Veranschaulichung:

Kauf Aktie Handelsplatz1: P1 = 100,00 €

Verkauf Aktie Handelsplatz2: P2 = 101,00 €

Gewinn: 1,00 €

Arbitrage ist immer dann möglich, wenn folgendes gilt: 0 < P2 – P1

Beispiel 2.)

Man kann die Arbitragemöglichkeit zweiter Ordnung aber auch anhand des Beispiels mit der Anleihe darstellen.

Wir legen heute am Emissionstag der Anleihe 100,00 € zu 8% Kupon an und erhalten am Ende der Laufzeit nach einem Jahr 108,00 € zurück. Diese 108,00 € können wir verwenden, um den Kredit, welchen wir heute aufnehmen, am Laufzeitende zurück zu bezahlen. Wir nehmen deshalb heute einen Kredit in Höhe von 102,857143 € zu 5% Refinanzierungszinsen auf. Somit bekommen wir heute 102,857143 € Kredit, wovon wir nur 100,00 € anlegen müssen. Somit haben wir heute einen free lanch today von rund 2,86 €.

Mathematische Veranschaulichung:

Gewinn = Investitionssumme – ( Rückzahlungssumme R / (1 + Refinanzierungszins))

Gewinn = 100 € – (108,00 € / (1 + 0,05)) ≈ 2,86 €

Sind heutzutage noch Arbitragegeschäfte möglich?

Die Möglichkeit von risikolosen Gewinnen sind kaum noch gegeben. Das hängt zum einen mit der Vernetzung der Finanzplätze zusammen und auch mit den Möglichkeiten des Computerhandels. Automatisierte Handelssysteme gleichen blitzschnell Bewertungsunterschiede aus, so dass für den normalen Anleger keinerlei Arbitragegeschäfte möglich sind. Nur institutionelle Anleger verfügen über die technischen Möglichkeiten und die Anbindung an die Finanzplätze, um solche Art von Geschäften zu tätigen.

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