Es war ein Wahlkrimi der Extraklasse, der sich in der vergangenen Woche in Amerika abgespielt hat. Die Präsidentschaftswahl von Dienstag, dem 03. November ging gleich mehrfach in die Verlängerung. Erst am Samstag konnte ziemlich sicher festgestellt werden, dass Joe Biden, der ehemalige Vizepräsident an der Seite von Barack Obama, den amtierenden Präsidenten Donald Trump nach nur einer Amtszeit ablösen wird. Mit über 74,5 Millionen Stimmen ist er bei Amtsantritt nicht nur der älteste Präsident aller Zeiten, sondern auch der Präsident mit den meisten Stimmen. Die Märkte haben sich bereits unter der Woche in Partylaune gezeigt, als das Pendel aufgrund der zahlreichen Briefwahlstimmen immer stärker zugunsten Biden ausschlug. Obwohl Team Trump vor dem höchsten Gericht der USA, dem Supreme Court, klagen will, stehen die Chancen jedoch extrem gering. Sogar ranghohe Republikaner kritisieren die Haltung Trumps und sagen, dass es bei den Wahlen keinerlei Hinweise auf Unregelmäßigkeiten oder gar Manipulationen gibt. Insofern dürfte sicher sein, dass am 20. Januar 2021 Joe Biden sein Amt im Weißen Haus beziehen wird.

Was bedeutet das nun für die Märkte? In erster Linie hatten sich die Größen der Wallstreet bereits vor der Wahl klar positioniert. Biden sollte gewinnen, denn die vier Jahre reinstes Chaos unter Trump waren genug. Amerikas Ansehen hat während Trumps Amtszeit massiv gelitten, innerhalb des Landes wie auch über die Landesgrenzen hinaus. Mit Biden dürfte nun wieder mehr Ruhe und Verlässlichkeit einkehren. Die zig Marktmanipulationen der Trump-Regierung waren kaum mehr zu ertragen. Insbesondere während des Zollstreits mit China gab es vermehrt Tage, an denen sich Regierungsmitglieder öffentlich innerhalb kürzester Zeit komplett widersprachen – und die Märkte zum Spielball der Politik machten. Dies, so hoffen viele, werde nun vorübergehen. Zu was die Biden-Regierung tatsächlich fähig sein wird, hängt auch davon ab, wie die Wahlen des Senats und des Repräsentantenhauses ausgehen werden. Obwohl die politischen Inhalte Bidens bei weitem nicht so „börsenfreundlich“ daherkommen, wie die Trumps, ist man dennoch optimistisch, dass der 46. Präsident der USA das Land wieder wird vereinen können, um vor allem gemeinsam Corona wirksam zu bekämpfen. Insgesamt dürften die Märkte unter Biden wieder in deutlich ruhigeres und kalkulierbareres Fahrwasser geraten.

 

Veröffentlicht am 09.11.2020