Die Weihnachtsfeiertage stehen vor der Tür und das Jahr 2020 neigt sich dem Ende. Insgesamt ein chaotisches Jahr, das zu Weihnachten 2019 so niemand erwartet hätte. Die Corona-Pandemie hat der Menschheit, zumindest vorübergehend, ziemlich deutlich die Grenzen der Globalisierung aufgezeigt. Was die Börsen angeht, war das Jahr 2020 eine einzige Achterbahnfahrt. Im Februar gab es in Europa und Amerika Rekordstände, bis Corona die Kurse um zeitweise bis zu 40 Prozent einbrechen lies – wohlgemerkt in unter einem Monat. Heute haben wir, zumindest in Amerika, wieder Rekordhochs. Es scheint, als sei Corona nie gewesen. Doch die Aktienmärkte sind derzeit kein Spiegelbild der Realität.

Die realwirtschaftliche Wahrheit sieht anders aus. Die schlimmen Folgen der Corona-Lockdowns und der teilweise massiv eingeschränkte Welthandel werden derzeit durch das billige Geld der Zentralbanken und die Wirtschaftshilfen von staatlicher Seite kaschiert. Wenn man auf den S&P500 blickt, den wichtigsten Aktienindex der Welt, dann müsste die Wirtschaft binnen weniger Monate deutlich besser dastehen als vor Corona. Doch dies ist nicht der Fall, und wird auch aller Voraussicht nach 2021 nicht der Fall sein. Doch wie können die Börsen sich so weit von der Realwirtschaft entfernen? Die Antwort lautet: Geld. Geld der Zentralbanken und Regierungen, das massenweise in die Märkte fließt und sich ökonomisch betrachtet ganz allein den Weg dorthin bahnt, wo es die beste Rendite mit dem geringsten Risiko erzielen kann. Und in Zeiten von Niedrigzinsen und teils massiv überkauften Immobilienmärkten in den Ballungszentren ist dieser Ort nahezu ohne Konkurrenz der Aktienmarkt. Hinzu kommt die Tatsache, dass die Notenbanken seit der Weltfinanzkrise 2008/2009 immer wieder als Feuerwehr bereit standen, alles zu tun, um die ganz großen wirtschaftlichen Katastrophen zu verhindern. Und es sieht nicht danach aus, dass sich dies ändern würde. Wir sind gespannt, was nächstes Jahr passiert. Einige Experten rechnen mit gigantischen Pleitewellen von Unternehmen, die Corona nicht überleben werden. Zumindest für Deutschland ist dieses Szenario 2021 schwer vorstellbar, denn im September 2021 steht die Bundestagswahl an. Eine Pleitewelle vor der Wahl wäre für den Wahlausgang der regierenden Parteien nicht förderlich, insofern wird man ziemlich sicher das Jahr 2021 noch mit Staatshilfen zu überbrücken versuchen, in der Hoffnung, dass bis 2022 Corona weitgehend besiegt ist.

 

Veröffentlicht am 20.12.2020