Die inzwischen charttechnisch gesehen überfällige Korrektur der Tagesaufwärtstrends in den großen Aktienindizes lässt weiter auf sich warten. Natürlich ist nirgends gesetzmäßig festgeschrieben, dass diese zu einem bestimmten Zeitpunkt zwingend kommen muss, doch je weiter die Märkte im Galopp über ihre alten Hochs darüberschießen, umso größer wird die Wahrscheinlichkeit, denn es kommt am Ende einer jeden Bewegung zu vermehrten Gewinnmitnahmen einerseits und zu Händlern, die aufgrund der Wahrscheinlichkeit einer Korrektur anfangen Gegenpositionen aufzubauen. Und so stürzt eine Bewegung am Ende garantiert mindestens teilweise in sich zusammen. Die Frage ist immer nur „wann“ und „wie stark“. Doch in diesen Tagen kommt ein weiterer Punkt hinzu, der die Märkte weiter schweben lässt. Es gibt im Grunde zur Zeit nur vermeintlich positive Meldungen. Die Impfkampagnen, vor allem in den USA, kommen gut voran. Die Wirtschaft erholt sich derzeit blendend vom Corona-Schock. Die FED druckt billiges, fast kostenloses Geld im Rekordtempo. Und die neuerlichen Coronawellen, verbunden mit flächendeckenden Lockdowns, verlieren zunehmend ihren Schrecken, solange die weltweiten Lieferketten nicht in Gefahr sind.

Fast immer waren stärkere Korrekturen in den Aktienindizes auf Tagesbasis in den vergangenen Monaten oder Jahren mit negativen Schlagzeilen verbunden. Doch diese Negativmeldungen, die zu vorübergehend niedrigeren Bewertungen an den Märkten führen, fehlen derzeit völlig. Selbst die weiter steigenden Anleiherenditen, die vor kurzem noch eine große Belastung für die Tech-Werte waren, scheinen inzwischen niemanden mehr zu interessieren. Außerdem kommt ein weiterer Punkt hinzu. Wer nicht schon längst an der Börse dabei ist, springt spätestens jetzt auf den Zug auf. Massen an Kleinanlegern, die zuvor nie etwas mit Börse zu tun haben, strömen nun in die Märkte – getrieben von der Gier, etwas verpassen zu können, während alle anderen im Freundes- und Bekanntenkreis erzählen, welche Gewinne sie aktuell mit Bitcoin und Co. machen. Das sind allesamt alarmierende Zeichen, die stark an die Zeiten um die Jahrtausendwende erinnern, als das Platzen der Dotcom-Blase die Börsen böse erwischte. Doch wir wollen eine Korrektur oder gar einen Crash natürlich nicht herbei- reden. Dass eine Korrektur des Aufwärtstrends kommen wird ist sicher. Zu sagen wann und in welchem Ausmaß, wollen wir uns nicht anmaßen voraussagen zu können. Ohne Glaskugel bleibt nur: abwarten.

Ein äußerst wichtiger Impulsgeber, der die Märkte in alle Richtungen bewegen kann, steht praktisch vor der Tür: Die Quartalsberichtsaison. Bereits am 14. April vor US-Markteröffnung geht es traditionell mit den großen Banken los. JP Morgan und Wells Fargo machen den Anfang. Des- weiteren stehen die Zinsentscheide aus Neuseeland und der Türkei an. Auch den US Philly Fed Herstellungsindex sollte man im Auge behalten.

 

Veröffentlicht am 12.04.2021